Der Onshore-Sektor ist deutlich größer, aber strukturell unterversorgt – besonders wenn es um spezialisiertes Notfallmanagement geht. Offshore ist die Rettungskette gesetzlich vorgegeben und wird systematisch dokumentiert; onshore fehlt beides. Diese Datenlücke ist selbst Teil des Problems.
Anlagen (Anzahl)
Onshore steht rund die 16-fache Anlagenzahl im Feld – ohne eine vergleichbare, gesetzlich verankerte Rettungskette. Die Fläche ist größer, die Struktur dünner.
Quelle: Deutsche WindGuard, Status des Windenergieausbaus (2025); BWO/wind:research 2025.
Servicetechniker (Beschäftigte)
Onshore arbeiten rund 3,5-mal so viele Techniker in der Höhe wie offshore. Das widerlegt die Annahme, Onshore sei automatisch das kleinere Risiko – es ist nur schlechter erfasst.
Quelle: Global Wind Organisation, Workforce Outlook 2024–2028; Branchenschätzungen (Bandbreiten 10.000–15.000 bzw. 40.000–45.000).
Rettungseinsätze pro Jahr
Offshore wird alle rund 4,6 Tage ein Hubschrauber-Rettungseinsatz gezählt. Überträgt man diese Pro-Kopf-Quote (0,0067 Einsätze je Techniker) auf 42.500 Onshore-Techniker, ergeben sich rechnerisch 250–285 Einsätze pro Jahr – etwa alle anderthalb Tage einer. Onshore gibt es dafür keine Meldepflicht und keine Statistik.
Quelle: WINDEA Offshore Rescue, Jahresbericht 2025 (78–80 Einsätze, Ø 2020–2024: 70,6); eigene Hochrechnung über das Personalverhältnis.
Rettungszeit bis Patient (Minuten)
Offshore sind 60–90 Minuten bis zum Patienten betrieblich vorgegeben. Onshore greift die allgemeine Regelrettung ohne WEA-spezifische Struktur – realistisch 5 bis 8 Stunden bis zur abgeschlossenen Höhenrettung. Genau diese Spanne verkürzt eine spezialisierte Leitstelle mit windspezifischer Abfrage und Koordinierung.
Quelle: Betreiberpflichten Offshore (AWZ) / NOW-Notfallleitstelle; Havariekommando Jahresbericht 2024; Erfahrungswerte Höhenrettung Onshore.
Onshore ohne medizinische Vorstufe
Offshore werden jährlich rund 1.600 medizinische Behandlungsfälle registriert, doch nur 78 davon eskalieren zu einem Hubschrauber-Rettungseinsatz – ein Verhältnis von etwa 20 zu 1, das durch die permanente Präsenz von Notfallsanitätern auf Anlagen und Konverterplattformen entsteht, die den überwiegenden Teil der Fälle vor Ort fachlich abfangen.
Onshore existiert diese Zwischenstufe nicht: Ein vergleichbarer Vorfall führt in der Regel unmittelbar zur externen Alarmierung, da kein Fachpersonal zur Ersteinschätzung zwischengeschaltet ist; zugleich bleiben zahlreiche kleinere Vorfälle unerfasst, weil betroffene Techniker ohne Unterstützung bleiben. Die reine Pro-Kopf-Hochrechnung von 250 bis 285 Einsätzen jährlich bildet daher nur das Grundrisiko ab, nicht den fehlenden Auffangmechanismus vor der Eskalationsstufe.
Die Havarieleitstelle Wind schließt diese Lücke: Notfallsanitäter übernehmen die strukturierte Notfallabfrage und telefonische Erstintervention, wodurch nicht jeder Vorfall sofort einen vollständigen Rettungseinsatz erfordert.
Quelle: WINDEA Offshore Rescue, Jahresbericht 2025 (rund 1.600 medizinische Behandlungsfälle, davon ca. 4,9 % eskaliert); für Onshore existiert keine bundesweite Einzelstatistik.